meinen wohl, daß es unrecht sei, derentwegen streit u disputation zu machen,
wenn nur der schein der Gottseligkeit da sei, sind doch feinde aller lehrer u
Academien, welche die warheit mit eifer verfechten. Darüm sind sie wohl
sonderlich so befließen die autorität Uns. Libr. Symb., so viel sich nur thun laßen wil,
zu schwächen, auch halte ich, wo es müglich were, gar aus der Kirchen zuschaffen,
damit also ohne Verhinderung eine eigenbeliebte fraternität unter allen, obschon
nur blos dem euserl. schein nach, from ehrbahr lebenden möchte eingeführet
werden, sie möchten auch dabei glauben u öffentlich lehren wieder die Geheimnißen
des Christl. Glaubens was sie wollen. Dahin denn auch ohne allen Zweifel die
gesuchte Reformation des Öffentl. Gottesdienstes zielet, daß sie es gerne nach dem
Vorbilde der sehr verdorbenen Corinthischen Kirche hätten, wie es daselbst Paulus nach
derselben Gemeine gelegenheit in einer erträgl. ordnung bringet 1. Cor. 13,14.
Denn so könte ein iegl. Schwärmer mit seinem Quark öffentlich ungehindert
anstechen, dürfte aber der guten reinen lehre sehr bald ihren gar aus bringen.
Ist mein thesis vom Pietismo, welchen ich aus gedrukten öffentl. Schriften auf er-
foderung wahr zumachen hiemit solenniter auf mich nehme.
(b.) Derohalben kan ja denselben, obwohl aller dieser dinge noch nicht klahr über-
zeugten, demnach stark verdächtigen Schars. nicht mit gutem herzen zum Consortio
Ministerii zulaßen, damit nicht besorglich zerrüttung u unordentl. spaltung
in Uns. Kirchen entstehe, weil die eifrige bemühung durch allerlei Neuerungen
die Kirche zuverwirren, u alle ihnen das obstat haltende Prediger alß fleischlich
Gesinnete Schriftgelehrten zuverachten u beschimpfen, dieser leute ihr proprium
im allerhöchsten grad ist. Die Erfahrung lehret Uns wiederum ein Neues exem-
pel dieser Zeit an den Pietisten Patriarchen D Spenern, der neue Unruhe u große
Verwirrung wieder angerichtet hat, mit seiner unruhigen bemühung, beicht
u Absolution aus der Evangelischen Kirche wegzuschaffen, worüber er anizzo noch Glaub-
würdigen bericht in schweren streit u Zwiespalt mit seinen Collegis, sonderlich
aber seinem vormahl. Gutem Freunde dem Herrn Probst Lütkens leben sol.
(c.) auch kan ich diesen Verdächtigen menschen nicht ad Ministerium, wenigsten
an meinem ort (denn ein ander mag vor das seine sorgen) admittiren,
damit die Sectirer, Separatisten, Behmisten, Phantasten p dieses orts nicht
überhand nehmen u die herschaft in der Kirchen gewinnen, denn daß sol-
cherlei Dingen zu gethane hier ziemlich eingerißen sein, ist bekant gnug.
Die Pietisten aber eifern gar nicht das geringste wieder solcherlei gesinnete,